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Frühlingskonzert 2009

     
  Bern: 20. März 2009, 19:30 Uhr, Französische Kirche  
  Sion: 22. März 2009, 17 Uhr, Eglise des Jésuites

Solist: Gyula Stuller

 
     
Franz Schubert (1797-1828)

Schubert lernte während seiner Schulzeit am Wiener Stadtkonvikt als Geiger im Schulorchester die grossen Werke von Haydn und Mozart kennen. Mit seinem überragenden Talent konnte er diese grossen Vorbilder schon früh nachahmen. So komponierte Schubert in der Zeit zwischen 1813-1817, im Alter von 16 bis 20 Jahren, 6 Sinfonien – zum Teil in Rekordzeit. Für die dritte brauchte er gerade mal 9 Tage. Nebst der Form übernahm er auch die Tonsprache seiner Vorbilder – trotzdem sind eigenständige Werke entstanden. Etwa ab 1816 begann er auch vermehrt die Werke von Beethoven zu studieren, den er vorbehaltlos bewunderte.

Sinfonie Nr. 7 "Unvollendete"

Vielleicht ist das ein Grund, dass er seine leichte Schreibart verlor und höhere Ansprüche an seine Werke stellte. Und dabei in eine Schaffenskrise geriet. Seine Unvollendete entstand im Herbst 1822. Die Partitur der beiden Sätze geriet in die Händeseiner Musikerfreunde Anshelm und Hüttenbrenner und wurde von diesen wie ein Schatz gehütet. Erst 1865, fast 40 Jahre nach Schuberts Tod, liessen sie die Uraufführung zu – sie wurde zu einer Sensation in der Musikwelt. Geheimnisse, Rätsel und Legenden
haften dieser Sinfonie an. Zwar existieren noch neun voll instrumentierte Takte von einem Scherzo, aber – warum schrieb er nicht weiter? War es für ihn ein Experiment, das er in strenger Selbstkritik als gescheitert betrachtete? Oder hat Schubert das seelische und stilistische Gleichgewicht der beiden Sätze als so ausgewogen empfunden, dass ihm eine Weiterführung nicht zwingend erschien? Auch wenn die Sinfonie nicht beendet wurde – vollendet ist sie allemal.

   
Johannes Brahms (1833-1897)

Brahms liebte es, im Sommer in einer schönen Gegend auf langen Spaziergängen zu «komponieren», um die Noten anschliessend zu Hause niederzuschreiben. Sein Violinkonzert entstand 1878 am Wörthersee, wie seine 2. Sinfonie auch. Sowohl die Tonart als auch der pastorale Grundton verweisen auf die verwandtschaftlichen Beziehungen dieser beiden Werke. Das Konzert entstand für den Violinisten und Freund Joseph Joachim, der dem Pianisten Brahms auch ab und zu geigentechnische Ratschläge erteilen musste. Brahms orientierte sich nicht am Virtuosen konzert seiner Zeit (Paganini), auch nicht am romantischen Konzerttypus (Mendelssohn), sondern am klassisch-sinfonischen Konzert (Beethoven).

Violinkonzert D-Dur, op. 77

Die erste, dann aber verworfene Fassung enthielt noch 4 Sätze und war eher eine «Sinfonie mit obligater Geige» anstatt ein Konzert. Nach intensiver Rücksprache mit Joachim verwarf Brahms die beiden mittleren Sätze und ersetzte sie durch das heute vertraute Adagio. Doch der sinfonische Anspruch blieb erhalten: Brahms machte keine Zugeständnisse an Virtuosität oder geigerische Effekte. So war denn die Uraufführung auch recht umstritten: viele lobten es, andere aber übten scharfe Kritik. Der bekannte Dirigent Hans von Bülow war der Ansicht, das Werk sei weniger „für“ als „gegen“ die Violine geschrieben. Wieniawsky, ein damals berühmter Geigenvirtuose und Komponist von zwei Violinkonzerten, nannte das Stück unspielbar, und der ebenso berühmte Spanier Sarasate weigerte sich, das Konzert zu spielen: Er fand es unerträglich, mitanhören zu müssen, wie die Oboe die einzige Melodie im 2. Satz der Violine vorenthielt. Heute allerdings sind sich die Kritiker einig: Das Brahms Violinkonzert gehört, zusammen mit denen von Beethoven und Mendelssohn, zu den drei Grossen.

   
Gyula Stuller

Gyula Stuller wurde 1962 in Budapest geboren und erhielt mit sechs Jahren den ersten Geigenunterricht. Fünf Jahre später begann er sein Studium bei Professor Ferenc Halàsz an der Franz Liszt Musikakademie. Nach dem Diplomabschluss in  Budapest und in London an der Guildhall School of Music and Drama in der Klasse von György Pauk setzte er seine Studien bei Tibor Varga in Sion fort. Im Alter von fünfzehn Jahren begann Gyula Stuller seine Konzertlaufbahn. Heute gilt er als einer der besten ungarischen Geiger.

Er gewann mehrere Violinwettbewerbe, unter anderem den Joseph Szigeti in Budapest, den Rodolpho Lipizer in Gorizia und 1986 den 20. Internationalen Violinwettbewerb Tibor Varga. 1990 wurde er zum Konzertmeister des Orchestre de Chambre de Lausanne ernannt. Seit 1996 unterrichtet Stuller die professionelle Klasse am Konservatorium in Fribourg. Von 2002 bis 2007 war er Professor an der Musikakademie Tibor Varga in Sion. Seit 2007 ist er künstlerischer Direktor der Musikakademie in Morges, seit 2008 Professor am Konservatorium

in Lausanne HEM. Viele seiner Schüler haben an Violinwettbewerben Preise gewonnen und wurden in berühmten Orchestern engagiert. Regelmässig gibt Gyula Stuller in der Schweiz, Ungarn und Venezuela Meisterkurse.